Reisebericht aus der Ukraine – Die Ukraine ist Europa Teil 2 (von Oliver Schruoffeneger)

Reisebericht aus der Ukraine – Die Ukraine ist Europa
Teil 2

Die Energiepolitik

Der Tag begann mit einem Frühstück mit Roman Zinchenko, dem Gründer und Chef von „Greencubator“, eines start ups, das sich bemüht, die Notwendigkeit der Energiewende in den Köpfen der Ukrainer zu verankern und dabei gleichzeitig die Bevölkerung und die Regierung in den Blick nimmt.
Besonders beeindruckend war die Phantasie der Kampagne. So wurden in vielen Regionen mitten in der Landschaft Camp-Events veranstaltet, mit Bühnenprogramm, Tagungen und richtig viel Action und das alles ohne Stromanschluss, aber mit kompletter Stromversorgung aus Sonne und Wind. Eine solche Aktion veranschaulicht, wie in ländlichen Regionen energieautarke Gemeinden ohne großen finanziellen Aufwand möglich wären. Weil das Netzwerk der Unterstützer für die Kampagne tatsächlich funktioniert, hat jede Veranstaltung jeweils nur 100 Euro gekostet. Mit mittlerweile 71 Veranstaltungen hat das Camp längt eine landesweite Wirkung erzielt. In beeindruckender Art und Weise wurde uns die Auseinandersetzung um die zukünftige Energiepolitik erklärt.
Da ist eine der großen Bremsen der Energiewende: Die „paternalistische Energiepolitik“ der Regierung. Die alte Haltung aus Sowjetzeiten „Wir sorgen dafür, dass Ihr weiterhin sichere und günstige Energie bekommt“ behindert die Eigeninitiative von Menschen in der Ukraine insgesamt. Die Menschen sehen keine Notwendigkeit für eigene Aktivitäten oder Investitionen, sondern Energieversorgung wird vielmehr als ein „Recht“ angesehen und nicht als Service.
Als Beispiel wie sich eine Bevölkerung modernisieren kann, verweist Zinchenko auf die Umrüstung der Autofahrer auf neuere PKWs: Niemand habe den Autofahrern Geld dafür gegeben, oder ein Gesetz erlassen, um die Autofahrer zum Umstieg vom Lada zum West-Fahrzeug zu ermuntern. Das sei vorwiegend aus Kostengründen geschehen. Ähnliches müsse man nun für den Energieversorgung anstreben.
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Reisebericht aus der Ukraine – Die Ukraine ist Europa (von Oliver Schruoffeneger)

Reisebericht aus der Ukraine

Erste Eindrücke

 

Die ersten zwei Tage waren voll mit Eindrücken und ersten Gesprächen, die uns einen ersten Überblick über die Situation im Land geben sollten.
Was bleibt hängen:

Zu viele Tote. Im innerstädtischen Bereich von Kiev ist es an den Hauptstraßen kaum möglich 500 Meter zu laufen ohne auf Kreuze, Fotos, Blumengebinde oder andere Erinnerungen an die Toten der letzten 12 Monate zu treffen. Die Dramatik der Auseinandersetzungen vor knapp einem Jahr auf dem Maidan wird einem erst hier bewusst. Wir haben das zwar im Fernsehen gesehen und in den Zeitungen gelesen, aber die teilweise viele Meter hintereinander aufgereihten Fotos der getöteten mit Kerzen und Blumen davor, hinterlassen dann doch ein ganz eigenes beklemmendes Gefühl. Und man sieht einen Querschnitt der männlichen Bevölkerung. Alte und junge Männer, Professoren und Studenten, sie alle finden sich hier unter den Opfern.
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Euromaidan goes Parliament: Wer sind „die neuen“ ParlamentskandidatInnen? (Von Susann Worschech)

Euromaidan goes Parliament: Wer sind „die neuen“ ParlamentskandidatInnen?

Von Susann Worschech, Berlin

Am 26. Oktober 2014 wird in der Ukraine ein neues Parlament gewählt. Insgesamt 450 Parlamentssitze werden jeweils zur Hälfte über Parteilisten und über Direktmandate vergeben. Erstmals seit der Unabhängigkeit der Ukraine stellt sich bei dieser Wahl auch eine größere Anzahl von Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Bereich der Zivilgesellschaft und der Medien zur Wahl. In einem Land, in dem Politik bisher weithin als schmutziges Geschäft und PolitikerInnen generell als korrupt und ausschließlich am eigenen Vorteil interessiert galten, ist dies ein Novum. Gerade jene AktivistInnen der Zivilgesellschaft, die jahrelang für eine demokratische Entwicklung der Ukraine gekämpft haben, konnten sich bisher nicht deutlich genug von „der Politik“ abgrenzen. Jetzt wagen einige von ihnen den Sprung ins Parlament. Aber wer sind diese AktivistInnen, welchen Hintergrund haben sie, was verbindet sie? Ein Blick in die Biographien der wichtigsten ProtagonistInnen kann einen Eindruck vermitteln, was ihre Metamorphose zum Politiker/zur Politikerin für die neue Ukraine bedeuten könnte.

Netzwerkgrafik_28KandidatInnen

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Die westlichen Werte und die Ukrainekrise: Auch der Westen muss sich neu erfinden (von Peter Koller)

Die Ereignisse in der Ukraine – kurze Zusammenfassung:

Eigentlich sollte die Sache klar sein: Eine friedliche Massenbewegung siegt weitgehend gewaltfrei, wenn auch unter hohen Verlusten, auf dem Maidan, der völlig diskreditierte, korrupte Präsident flieht außer Landes. Auf der Krim tauchen grüne Männchen auf, die handstreichartig die Halbinsel übernehmen. Kurze Zeit später wird nach einem massiv gefälschten Referendum das Gebiet von Russland annektiert. Regierungschef wird ein inselweit bekannter Mafiosi, dessen Partei bislang weniger als 4% der Wählerstimmen hatte. Kurze Zeit später erläutert Putin seine Strategie: viel ist dabei die Rede vom heiligen Russland, das sich gegen die Dekadenz des Westens zur Wehr setzen müsse, um traditionelle Werte zu verteidigen. Auch menschliche Schutzschilde werden bei einer hybriden Kriegsführung nicht ausgeschlossen. Wenig später fällt das erste Mal der Begriff Novorossija, die russischen Armee steht mit 40.000 Mann unmittelbar an der ukrainischen Ostgrenze.

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Marshallplan für die Ukraine

Aktivisten finden, dass es einen neuen Maidan gäbe, wenn der Konflikt mit Russland nicht wäre. Die Regierung in Kiew blockiert auch die Zivilgesellschaft.

Beitrag von Susann Worschech http://taz.de/Debatte-Euromaidan/!145752/

Es sind keine zehn Demonstranten, die sich an einem sonnigen Freitagvormittag Anfang September vor dem Ministerratsgebäude in Kiew einfinden. Sie haben ein großes Transparent mitgebracht, auf dem eine gelbe Europakarte zu sehen ist und die Ukraine ganz in Schwarz: ohne schnelles Internet. Die Demonstranten fordern: Gebt uns 3G! Man fragt sich: Habt ihr hier nicht gerade andere Sorgen?

Doch, haben sie. Ein paar Meter weiter protestieren zwanzig Frauen dafür, dass ihre Söhne und Männer, die in der ukrainischen Armee dienen, nach Hause kommen. Sie haben keine schicken Spruchbänder, halten keine ausgefeilten Reden. Nachdem die 3G-Leute ihnen einen Lautsprecher zur Verfügung stellen, rufen die Frauen „Jazenjuk“ und „23. [Einheit] nach Hause!“. Endlich wenden die Fotografen sich ihnen zu – kurz.
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Reisebericht Rebecca Harms in den Osten der Ukraine

Notizen aus Kiew, Charkiw, Slawjansk und Artemiwsk

Liebe Leserinnen und Leser!

Die Reise, von der ich berichte, ist eine von unzähligen, die ich seit meinem ersten Besuch in der Ukraine im Jahre 1988 gemacht habe. Damals schickte mich der Schriftstellerverband der Sowjetunion in das Sperrgebiet von Tschernobyl. Danach sollte und konnte ich in Kiew und Moskau öffentlich berichten über das, was ich dort gesehen hatte. Heute erscheint es mir dringend wieder darüber zu berichten, was ich sehe, wenn ich die Ukraine besuche. Seit dem Beginn des Euromaidan im November 2013 war ich fast Monat für Monat dort. Aber diese Reise im Juli war anders als alle anderen.

Sie begann an dem Tag, an dem der Flug Malaysian Airlines 17 über den Feldern des Donbass abgeschossen wurde. Und dorthin, in den Osten des Landes, war ich unterwegs.

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Aktualisiert: Grüne Studienreise in die Ukraine vom 25. Oktober bis 2. November 2014

Grüne Studienreise in die Ukraine vom 25. Oktober – 2. November – mit Option zur Verlängerung

Weitere Details zur Reiseorganisation folgen (immer natürlich in Abhängigkeit der Sicherheitslage in den östlichen Oblasten)
Bisher geplant: Kyiv, Poltava, Kharkiv, Swiatogorsk (Donbass, Sloviansk, Artemovsk), Dnjipropetrovsk

Reise_Grüne_Ukraine_2

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